Honest Ed’s

Schon wieder eine Woche rum seit dem letzten Eintrag! Die Zeit vergeht viel zu schnell – mehr zu unseren aktuellen Zeitvertreiben (= Jobs) gibt’s demnächst, hier erstmal ein Lebenszeichen anderer Art.

Erstmal zum unspaßigsten Ereignis dieser Woche: Tobi hat sich leider eine heftige Lebensmittelvergiftung zugezogen und lag die letzten Tage komplett flach. Seit heute geht es endlich wieder ein wenig besser, morgen sollte es hoffentlich überstanden sein. Vorher hatten wir auch schon den ersten Besuch in unserem Zimmerchen: da das Hostel wegen zwei Festivals in der Stadt komplett ausgebucht war, hat Ryan drei Tage lang bei uns gepennt. Es gibt deshalb auch eine gute Nachricht für alle zukünftigen Besucher: wir haben uns komplett mit Gästematratze und -bettzeug eingedeckt, ihr müsst also nur noch kommen. 😉

Gestern war schließlich mein freier Tag diese Woche und da Tobi unpässlich war, bin ich nachmittags noch ein wenig durch die Stadt gelaufen. Mein Ziel war eigentlich der riesige High Park im Westen der Stadt, aber als ich dort ankam war es schon relativ spät und ich wollte bei Dunkelheit nicht alleine durch einen Park wandern. Also bin ich wieder zurück und habe noch einen kleinen Umweg zu Honest Ed’s gemacht – davon wollten wir euch sowieso schon lange mal berichten.

Honest Ed’s ist ein Kaufhaus an der Ecke Bloor und Bathhurst in The Annex, das einen kompletten Block einnimmt und in Toronto eine Art Legende ist. Der Gründer „Honest“ Ed Mirvish eröffnete an dieser Ecke 1948 seinen – damals noch viel kleineren – Laden und machte bald mit seinen spektakulären Verkaufsaktionen Schlagzeilen. Er selbst kam aus einer armen Einwandererfamilie, ebenso wie seine Kunden. In den 1950ern expandierte das Geschäft und erhielt nach und nach sein heutiges Aussehen mit den theaterähnlichen Werbetafeln (hier blinken nachts 23.000 Glühbirnen) und den Sprüchen und Aufrufen an mögliche Kunden. Auf den Grundstücken um das Kaufhaus herum – alle ebenfalls im Besitz von Ed Mirvish – siedelten sich Theater, Buchläden und Bars an, die der Theaterliebhaber mit niedrigen Mieten förderte. Das Gebiet heißt heute sogar offiziell „Mirvish Village“.

Im Laden selbst sieht es dagegen erstmal unspektakulärer aus: in hallenartigen Räumen mit Neonbeleuchtung werden hier Schnäppchen aller Art angepriesen. Das Kaufhaus erstreckt sich über zwei Gebäude, die unterirdisch und durch einen kleinen Übergang im Obergeschoss miteinander verbunden sind – das Layout des Ladens erinnert sehr an ein Labyrinth. Der Spruch „Come in and get lost!“ auf den Außentafeln ist da durchaus wortwörtlich zu verstehen.
Alle Preis- und Werbeschilder sind hier noch handgemalt und an den Wänden hängen Werbeposter, großformatige Fotos von prominenten Besuchern und Verehrern des Ladens bzw. seines Besitzers und alles mögliche andere – etwa eine riesige, skurrile Kuckucksuhr.

Der Laden ist wirklich einzigartig und man hat das Gefühl in einer völlig anderen Ära einzukaufen. Davon abgesehen ist es tatsächlich auch billig: wir haben uns hier für sehr wenig Geld mit dem Notwendigsten eingedeckt, als wir in unser Zimmer gezogen sind. Umso schader, dass die Tage von Honest Ed’s gezählt sind. Ed Mirvish ist 2007 gestorben und vor zwei Wochen wurde nun bekannt gegeben, dass das Gebäude zum Verkauf steht – für den Preis von 100 Mio. $. Enstehen sollen auf dem Grundstück mehrere Condos – mehrstöckige und völlig anonyme Appartmentkomplexe, die es in Toronto sowieso schon zuhauf gibt und die an jeder Ecke aus dem Boden schießen.

Die Fotos vermitteln hoffentlich einen kleinen Eindruck. Achtung: ich war in Fotolaune… :)

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Hier noch ein paar Fotos von Sachen, die mir unterwegs vor die Linse gelaufen sind. Das erste Bild nimmt nochmal Bezug auf unseren letzten Beitrag: das ist die Kreuzung, an der es passiert ist und hier sammeln sich Beileidsbekundungen und Protestsprüche auch noch nach der Demo gegen ungerechtfertigte Polizeigewalt.

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2 Responses to Honest Ed’s

    • Vielen Dank, Karl-Heinz Currywurst!

      We’re working on an english version, just need to figure out the technical stuff. Or to be correct: Tobi needs to figure it out. :)

      Greetings to Prague, enjoy your last days!